Chronik

Aus der Festschrift zur 50-Jahr-Feier 2003

Grußworte

Grußwort von Pfarrer Paul Moritz

Dies Haus ist Gottes eignes Zelt,
wo er mit uns Gemeinschaft hält;
es steht für unser Fest bereit,
ein Haus für uns in Glück und Leid.

 

In Geist und Wahrheit bitten wir,
Herr Christus, sei zugegen hier.
Ihn lobe, was da Atem hat,
ihn lobe Dorf und große Stadt.

 

Laß Liebe ohne jeden Schein
das Amen deines Volkes sein;
und halte, Herr, es mit uns aus,
dann finden wir zu Dir nach Haus.

 

Dieses Lied, in einer holländischen Kirche ausgelegt, wurde im Oktober 1971 in der Meßdiener-Zeitschrift „Leuchtfeuer Ministrant“ zum Lied des Monats erklärt und kann gesungen werden nach der Melodie von Gotteslob Nr. 474, 116 oder 696.
Es ist ein Lied über den Gottesdienst selbst und über den Ort, an dem wir uns versammeln, über das Kirchengebäude. Die Kirche bzw. das Kirchengebäude nennen wir Gotteshaus, weil Gott für uns da ist. Dort will er mit uns in menschlich erlebbarer Form Gemeinschaft halten. Zugleich aber ist die Kirche unser Haus, das Haus der Gemeinde. Der Gottesdienst ist unser Fest, und Gott ist da, um an unserer Freude und auch an unse¬rem Leid Anteil zu nehmen.

Christlicher Gottesdienst ist dann „christlich“, wenn er es mit Christus zu tun hat, aber mit dem lebendigen, echten Christus, nicht mit einem auswendig gelernten. Darum die Bitte zu Beginn des Gottesdienstes: „Herr Christus, sei zugegen hier.“
Aber Gottesdienst findet seine Fortsetzung im Leben des Alltags. Es kommt auf das Leben wahrhaftiger Liebe an, wodurch wir Ja und Amen zu Jesus Christus sagen. Obwohl wir wissen, dass unser halbherziges Leben oft eine Zumutung für Gott ist, haben wir die feste Hoffnung, dass er es trotzdem mit uns aushält. Er vergibt uns unsere Schuld und erlöst uns von dem Bösen.
„Durch die Mutter zum Sohn“, das heißt „durch Maria zu Christus“, ist eine alte Lehre der katholischen Kirche. So bitten wir unsere Schutzpatronin um ihre Fürbitte bei ihrem Sohn, daß er die Kirchengemeinde Mariae Namen immer in geschwisterlicher Liebe erhält, sie zusammenwächst und immer auf dem rechten Weg bleibt, zunehme an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen aller Zeiten. Dazu segne euch alle der Allmächtige Gott.

 

Euer Pfarrer Paul Moritz

Grußwort von Bischof Heinz Josef Algermissen

Liebe Schwestern und Brüder

in der katholischen Pfarrkuratie Mariae Namen in Gensungen!

»Bei der Wandlung nahm der göttliche Heiland Wohnung in dem zu Ehren seiner heiligsten Mutter unter dem Titel „Mariae Namen“ errichteten Heiligtum, des ewige Licht wurde angezündet, und das Danklied „Großer Gott, wir loben dich“ kam aus freudigem Herzen. Nach dem sakramentalen Segen verließen die Gläubigen nur langsam das Gotteshaus, immer wieder richteten sich ihre Blicke auf das von einem Aachener Künstler an der Altarwand geschaffene Bild der Schutzmantelmadonna. In froher Stimmung verlebten Einheimische und Heimatvertriebene mit ihren Seelsorgern und ihren Gästen am Nachmittag noch einige frohe Stunden: Wir haben ein Kirchlein, wir haben eine geistige Heimat, ist das alle einigende frohe Bewußtsein“.

Dieser letzte Absatz aus dem Bericht des Bonifatiusboten vom 12.07.1953 über die Kirchweihe in Gensungen am 21. Juni des gleichen Jahres spiegelt die Freude über das Ereignis, dessen 50jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr begehen, wider.

Vieles hat sich seit dieser Zeit verändert. Eines ist geblieben: Katholische Christen in Gensungen haben eine Kirche, auf deren Altar Sonntag für Sonntag, ja Tag für Tag, das Kreuzesopfer und damit Jesus Christus selbst Gegenwart wird. Sie haben einen Ort, an dem sie auf das Wort des Herrn hin die denkbar dichteste Nähe zu Jesus Christus neu erfahren und erleben können. Das Opfer Jesu, das sie in ihrer Kirche im eucharistischen Mahl feiern, führt sie als Gemeinde Christi zusammen, ja macht sie überhaupt erst zur christlichen Gemeinde und fügt sie in die Gemeinschaft der Kirche unserer Diözese und in die Gemeinschaft der universalen Kirche ein.
Von der Freude über eine neue geistige Heimat war im Bericht des Bonifatiusboten die Rede. Diejenigen, die die entbehrungsreiche Zeit der Vertreibung aus der alten Heimat erlebt haben, wissen bis heute, was es bedeutet, Heimat zu haben und zu verlieren. Und sie wissen, mit welchem Engagement und welch großer Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus damals durch den Kirchenbau wieder ein Ort für die eucharistische Begegnung zwischen Gott und den Menschen geschaffen worden ist. Denen, die heute noch leben, können wir ein ganz großes Dankeschön dafür immer noch von Angesicht zu Angesicht sagen!
Viele aber, die damals sehr aktiv waren, sind heute nicht mehr unter uns. Ihnen gilt in diesen Tagen, da wir den 50. Weihetag Ihrer Kirche feiern, unser besonderes und ehrendes Andenken.
Nicht vergessen sollen die sein, welche durch die Bereitstellung der finanziellen Mittel zum Bau der Kirche beigetragen haben: der Bonifatiusverein, Wohltäter aus Nah und Fern, besonders die Spender aus der Patengemeinde Breda in Holland.


Das äußere Erscheinungsbild Ihrer Kirche, wie sie gepflegt ist, wie Sie sich als Einzelne in diesem Raum bewegen und der rege Besuch der Kirche zum privaten Gebet auch neben den offiziellen Gottesdiensten wird zum Ausdruck bringen, wie wichtig Ihnen Ihr Gotteshaus heute ist und was Sie damit verbinden. Sie, die katholische Gemeinde in Gensungen heute, Jung und Alt, ob damals bei den Anfängen schon dabei oder erst in das Bestehende hineingewachsen, alle, die die Kirche Mariae Namen heute als Ort Ihrer Glaubenspraxis nutzen, geben dem, was vor 50 Jahren begonnen wurde, erst seinen Sinn.


Die selige Gottesmutter Maria, die ihren Schutzmantel über ihre Gemeinde gebreitet hat, wie dies eindrucksvoll auf der Chorwand Ihrer Kirche dargestellt ist, hat geholfen, alle Schwierigkeiten beim Bau Ihrer Kirche zu überwinden. Sie ist die Trösterin der Betrübten und grüßt Sie als solche immer wieder in dem Relief über dem Eingang ihrer Kirche, das bis heute an die Wohltäter aus Breda erinnert. Auf ihre Fürsprache hin sei Ihre ganze Gemeinde, Jung und Alt, beschützt, ja neu aufgerufen zur Bekehrung und gesegnet von unserem guten Gott, dem +Vater und dem +Sohn und dem +Heiligen Geist.
Es grüßt Sie aus Fulda Ihr

 

Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda

Grußwort der evangelischen Nachbargemeinden

Mit herzlichen Glück- und Segenswünschen gratulieren der Katholischen Pfarrkuratie Gensungen zum 50. Geburtstag der Kirche Mariae Namen die evangelischen Nachbargemeinden im Stadtgebiet Felsbergs.

Wenn auch aus Zwang der Vertriebenennot in der Nachkriegszeit mitten in einem Kernland evangelischer-reformierter Tradition entstanden, ist die römisch-katholische Pfarrkuratie Gensungen für ihre Gemeindemitglieder aller Felsberger Stadtteile zu einem festen Bestandteil eines auch auf konfessionellem Gebiet neu entwickelten Deutschlands geworden und hat sich schon in kurzer Zeit nach ihrer Gründung die schöne neue Kirche ausgangs Gensungens in Richtung Heßlar gebaut, eine Bereicherung für die Stadt, eine Stätte gottesdienstlicher Besinnung.
Was auf politischem Gebiet im Gedanken des Föderalismus auf dem demokratischen Grundgesetz basierend endlich wachsen durfte, wurde im bis dahin weitgehend konfessionell getrennten Deutschland ebenfalls und bewußt neu gemischt. Viele katholische Regionen der neuen Bundesrepublik nahmen evangelische BewohnerInnen aus dem Osten bei sich auf. Neue Heimat dort, wo Menschen sich lieben, mit legitimem Erinnern der alten, ist kontinuierlich entstanden. In vielen evangelischen Regionen der neuen Bundesrepublik geschah dasselbe, so auch im Edertal.
Was die Staatsform Föderalismus nennt, das kannten und kennen die Kirchen der Welt schon immer als Ökumene. Niemand soll in der Diaspora aufgesogen werden. Ökumene bedeutet Einheit in der Vielfalt.
Die bauen wir Christen und Christinnen immer noch auf und werkeln an einer großen Baustelle, wie der 1. Ökumenische Kirchentag in Berlin im Jubiläumsjahr der katholischen Kirche Gensungens bewies, die Kirchentage beider Konfessionen ja ebenfalls ein Fest der überwiegend jungen Gemeinden nach dem 2. Weltkrieg! Vielleicht bauen wir manchmal nicht schnell genug, aber hoffentlich in Sorgfalt. Das Kommen des Reiches Gottes braucht einen langen Atem. Wir haben also europäische und globale Zukunft in Einheit des Glaubens, aber in Vielfalt historisch verschieden gewachsener Traditionen.
Mit Glück- und Segenswünschen zum 50. Geburtstag der Kirche Mariae Namen verbinden Pfarrer Friedrich Werner für die Gemeinden Felsberg mit Altenburg und Böddiger, Pfarrerin Susanna Petig und Pfarrer Jochen Sennhenn für die Gemeinden Gensungen, Beuern, Heßlar und Melgershausen, Pfarrerin Britta Holk-Gerstung für die Gemeinde Wolfershausen-Brunslar-Deute, Pfarrer Joachim Baier für die Gemeinden Lohre und Niedervorschütz, Pfarrer Hans-Helmar Auel für die Gemeinden Rhünda und Hesserode-Helmshausen und Pfarrer Marco Firnges für die Gemeinde Hilgershausen und alle Kirchenvorstände der genann¬ten Gemeinden die hoffnungsvolle Erwartung von noch mehr Ökumene, Einheit in Vielfalt einer gemeinsamen christlichen Zukunft.

 

Pfarrer Friedrich Werner, Felsberg

Grußwort des Bürgermeisters Klaus Stiegel

Zum 50-jährigem Jubiläum der katholischen Kirche in Gensungen übermittele ich im Namen des Magistrats der Stadt Felsberg und zugleich persönlich die besten Grüße und Glückwünsche.
Bereits während des 2. Weltkrieges erhöhte sich die Zahl der in Gensungen und den umliegenden Orten lebenden katholischen Familien im Zuge von Evakuierungen aus anderen Teilen des Landes, von denen jedoch nicht alle heimisch wurden. Den größten Zuwachs an katholischen Einwohnern erhielt unsere Gemeinde erst nach Ende des Krieges durch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten – überwiegend aus dem Sudetenland und Schlesien. Sie fanden eine Heimat in nahezu allen Ortsteilen der heutigen Stadt Felsberg und bildeten bald mit benachbarten Dörfern eine große Gemeinde von 2.320 Mitgliedern.

Zu den Angehörigen der katholischen Kirchengemeinde Gensungen zählen heute nicht nur die Bewohner von 13 Felsberger Stadtteilen, sondern auch viele Einwanderer und Aussiedler aus zahlreichen Nationen, u. a. den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Die katholischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind mit ihrer Kirche und den zwischenzeitlich gegründeten Gruppen wie Kolpingfamilie, Frauengemeinschaft und katholischer Jugend ein nicht mehr wegzudenkender Aktivposten in unserer örtlichen Gemeinschaft, die sich in vielfältiger Weise an dem kommunalen Leben beteiligen und wichtige Beiträge leisten.
Neben der vorrangigen seelsorgerischen Arbeit sind insbesondere die Aktivitäten in sozialen und karitativen Angelegenheiten hervorzuheben. Auch die geselligen und partnerschaftlichen Angebote bereichern das gemeindliche Geschehen vor Ort und in den Partnerschaftsstädten. Zum 50-jährigen Bestehen wünsche ich seitens der städtischen Körperschaften alles Gute und hoffe auf ein weiterhin angenehmes und vertrauensvolles Miteinander zum Wohle der Stadt Felsberg!

 

Klaus Stiegel, Bürgermeister 

Aus der Chronik der Gemeinde

Die Anfänge der Gemeinde

Vor dem 2. Weltkrieg lebten in Gensungen und den umliegenden Orten nur vereinzelt katholische Familien, die von Fritzlar aus seelsorgerisch betreut wurden. Während des Krieges erhöhte sich die Anzahl der Katholiken durch die Evakuierung aus dem Saarland und dem Ruhrgebiet. Bis auf wenige kehrten diese Familien jedoch nach Kriegsende wieder in ihre Heimat zurück.
Den größten Zugang an Katholiken erhielt die Gemeinde durch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, aus dem Sudetenland und Schlesien. Die Sudetendeutschen kamen in der Hauptsache aus den Kreisen Mies und Bischofteinitz, die Schlesier aus Oberschlesien.
Pfarrer Leo Hatscher, der selbst aus der Diözese Leitmeritz im Sudetenland stammte, wurde der erste Seelsorger der 1946 gegründeten Seelsorgestelle Gensungen. Sie umfaßte damals 22 Ortschaften. Diese Betreuung war nur durch große persönliche Opfer und Einsatz möglich, da alle Wege zu Fuß zurück gelegt werden mußten. Pfarrer Leo Hatscher fand zunächst nur eine Wohnung in Hesserode.
Gottesdienste fanden in den evangelischen Kirchen statt, wozu jedesmal der Meßkoffer mit allen liturgischen Geräten und Gewändern mitgenommen werden mußte. Religionsunterricht wurde nachmittags in den einzelnen Orten abgehalten. Später konnte wenigstens für die Gottesdienste ein Mietwagen genommen werden. Am 10. Mai 1947 konnte Pfarrer Hatscher in eine Wohnung nach Gensungen umziehen.
Eine weitere Erleichterung ergab sich im Frühjahr 1948, als Pfarrer Altmann nach Mosheim kam und die Seelsorge in einigen Orte übernahm, die vorher von Pfarrer Hatscher betreut wurden.
Die Katholikenzahl in den übrigen Gemeinden, die bei Gensungen verblieben, betrug damals 2.320.
Für das Jahr 1948 wurden folgende religiöse Handlungen aufgezeichnet: 16 Trauungen, 35 Taufen, 24 Sterbefälle, 98 Erstkommunionkinder, 180 Firmlinge. Firmspender war Prälat Dr. Hartz von Schneidemühl. Fronleichnam wurde am Sonntag nachgefeiert. Mehr als 1.000 Gläubige beteiligten sich am Gottesdienst und an der Prozession.
1949 fand das erste „Flüchtlingstreffen“ auf dem Heiligenberg statt. Die Feier wurde durch einen Festgottesdienst des Ortsseelsorgers eröffnet. In der Festansprache wies er im Anschluß an das Sonntagsevangelium darauf hin, „daß wir Vertriebenen nun auf Gottes Wort von Neuem die Netze auswerfen wollen, um in der Fremde festen Fuß zu fassen.“ Die Beteiligung war überraschend groß: gegen 6.000 Personen waren erschienen, um ein Wiedersehen in der Fremde zu feiern und sich durch die Worte des ehemaligen Oberbürgermeisters von Olmütz, Dr. Czermak, zu neuer Tatkraft aufmuntern zu lassen.

Der Kirchbau (1953)

Die Katholiken waren dankbar, dass die Gottesdienste in den evangelischen Kirchen gehalten werden konnten. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus, nach einem Stück „Heimat“ jedoch wurde immer lauter. Die Verwirklichung war nicht einfach, da viele Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden waren. So gab es zunächst keinen Bauplatz. Im August 1949 wurden die ersten mündlichen Verhandlungen in Fulda hinsichtlich der Errichtung einer Kirche und eines Pfarrhauses in Gensungen geführt. Diese Verhandlungen mit den verschiedenen Stellen, z. B. dem Landratsamt Melsungen und der Gemeinde Gensungen, zogen sich bis zum Frühjahr 1951 hin. Endlich konnte am 3. März 1951 der Kaufvertrag für das Grundstück an der jetzigen Heßlarer Straße zwischen der Kirchengemeinde Rotenburg/Fulda, vertreten durch Pfarrer Hatscher, und dem Besitzer, Herrn Reusse, abge-schlossen werden. Die Seelsorgestelle Gensungen gehörte zu dieser Zeit zur Pfarrei Rotenburg.
Am 27. Juli 1952 erfolgte dann die feierliche Grundsteinlegung durch Ehrendomkapitular Dechant Geistl. Rat Herbert aus Bad Hersfeld.
Am 16. April 1953 konnte Pfr. Leo Hatscher mit seiner Seelsorghelferin und Haushälterin, Frau Dr. Tetschlag, in das fertiggestellte Pfarrhaus einziehen.
Am 21. Juni 1953 wurde unsere Kirche durch Generalvikar Prälat Robert Günther aus Fulda feierlich eingeweiht und erhielt den Titel „Mariae Namen". Ein lang gehegter Wunsch war in Erfüllung gegangen. Die erste Taufe fand bereits am 5. Juli statt und die erste Trauung kurze Zeit später.
Die Paramente (Gewänder für den Gottesdienst) hatte Pfarrer Hatscher aus seiner Heimatpfarrei mitgebracht. Die Heimatvertriebenen spendeten gleich anfangs so viel Silber und Gold, daß eine Monstranz angeschafft werden konnte. Weitere liturgische Geräte wurden gespendet vom Bonifatiusverein Paderborn, den Pfarreien Atting in Bayern und Eltville im Rheingau.
Die Kosten für den Kirchenbau in Höhe von 90.000 DM wurden von der Diözese Fulda, der Diasporahilfe Paderborn, vielen Spenden aus Breda in Holland und in Eigenleistung aufgebracht. Pfr. Hatscher und Frau Dr. Tetschlag hatten keine Mühe gescheut, um die Mittel aufzubringen.
Die Schutzmantel-Madonna an der Stirnseite des Altarraumes stammt von dem Kirchenmaler Matthias Frank aus Aachen, ebenso die zwischenzeitlich leider übermalten Seitenaltarbilder des hl. Johannes Nepomuk und der hl. Elisabeth. Die Plastik über dem Kircheneingang stellt die „Mutter der Vertriebenen“ dar und wurde von dem holländischen Künstler Meiracker geschaffen.

1955–1959

1955 kam zur Entlastung des gesundheitlich angegriffenen Pfarrers der Kaplan Hubert Wiederhold nach Gensungen. In dieser Zeit konnte auch ein Raum für die Jugend in der Mittelhöfer Straße gemietet werden, der den Namen „Don-Bosco-Heim“ erhielt. Das Haus mußte 1961 der neuen Straßenführung weichen.
Seit 1956 fahren Kirchenbusse, um die Gottesdienstbesucher zur Kirche zu bringen. Zu dieser Zeit fanden in der Kirche Mariae Namen sonntags je zwei Gottesdienste statt.
Am 15. Juni 1957 trat Pfr. Leo Hatscher in den Ruhestand und zog später nach Zierenberg. Am 25. Februar 1974 rief ihn der Herr über Leben und Tod zu sich in die ewige Heimat. Er stand im 85. Lebensjahr. 1973 konnte er sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern.
Kaplan Wiederhold wurde nach Borken versetzt, und nach Gensungen kam Pfarrkurat Josef Schöler. Er stammte ebenfalls aus der Diözese Leitmeritz.
In dieser Zeit betrug die Gesamteinwohnerzahl 8.778, davon waren 1.169 Katholiken. 21 Kinder gingen zur heiligen Kommunion, die im Bonifatiuskloster Hünfeld vorbereitet wurde.
Im Marianischen Jahr 1954 fand die erste Mission statt, 1957 und 1962 die Kapellenwagen-Mission durch die Ostpriesterhilfe in Königstein, gehalten von belgischen Kapuzinerpatres.
Bereits am 15. September 1957 wurde das erste   Kirchenfest (Patrozinium) gefeiert. Festprediger war Pfr. Franz Faupel aus Kämmerzell.
Seit 1957 hat Gensungen einen eigenen Kirchenvorstand (jetzt Verwaltungsrat). Vorsitzender war Herr Dr. Frind, Rechtsanwalt und Notar. Aus jeder Gemeinde war ein Vertreter tätig.
Am 25.08.1957 übernahm Frau Hedwig Ernst den Kirchenchor und den Organistendienst als Nachfolgerin von Frau Dr. Tetschlag. In Wolfershausen, wo in der evangelischen Kirche die Gottesdienste gefeiert wurden, existierte ein eigener Kirchenchor unter Leitung von Herrn Ernst Haas.
Die erste Firmung in unserer Kirche fand am 18. Oktober 1958 statt. Weihbischof Adolf Bolte aus Fulda spendete 81 Firmlingen das Sakrament.
1958 gab es bereits eine Bibliothek im Don-Bosco-Heim.
In den 50er Jahren erfolgte die Zuordnung unserer Pfarrgemeinde zur Pfarrei Melsungen.
Schon 1958 mußte unsere Kirche mit einem Kostenaufwand von 46.000 DM renoviert werden, da sie 1953 mehr oder weniger notdürftig erstellt wurde.
Am 18. Januar 1959 veranstaltete die Katholische Jugend im Saal der Gastwirtschaft „Zum Bahnhof“ einen bunten Abend mit Tanz. Die Jugendlichen aus den Gemeinden in Remsfeld und Wabern waren zu Gast. Es war ein großer Erfolg.

Ab dem Bau des Jugendheimes (1960–1967)

In 1959 konnte ein hinter der Kirche liegendes Grundstück erworben werden, um 1962 mit dem Bau des Pfarr- und Jugendheimes zu beginnen. Die Einweihung erfolgte am 24. Oktober 1964. Die Baukosten betrugen 118.000 DM. Es wurde viel in Eigenleistung erstellt. Daran beteiligt waren mehr als 80 Mitglieder unserer Pfarrei.
Die Nikolausfeier für die Kinder war mit über 80 Kindern und deren Eltern sehr gut besucht.
Den Seniorenachmittag 1965 besuchten ca. 120 Senioren.
Noch während der Bauarbeiten wurde Pfarrkurat Josef Schöler am 1. September 1962 nach Sontra versetzt, und nach Gensungen kam Pfarrkurat Eugen Pfahls, der erste Fuldaer Diözesanpriester in Gensungen.
Sein Nachfolger wurde am 1. Oktober 1966 Pfarrkurat Hermann Röder. Pfr. Eugen Pfahls ging nach Hattenhof.
Pfr. Josef Schöler kam von Sontra nach Bad Karlshafen und verbrachte seinen Ruhestand anschließend in Bad Hersfeld. Am 5. September 1999 rief ihn der Herr über Leben und Tod zu sich in die ewige Heimat.

Erhebung zur Pfarrkuratie und Umbau der Kirche

Am 1. März 1967 wurde die Seelsorgestelle Mariae Namen zur Pfarrkuratie erhoben.
1967 gingen erstmals in unserer Pfarrei die Sternsinger zu den Familien, um Geld für das Päpstliche Missionswerk zu sammeln und den Segen in die Häuser und Wohnungen zu bringen. Die gesammelte Summe konnte bis heute fast immer gesteigert werden. Da die Besuche nur nach Voranmeldung erfolgen, sind es jedes Mal ca. 70 bis 80 Familien, die sich auf den Besuch der Sternsinger und den Segen der Kirche freuen. Die Sternsinger erhielten bereits die Dankesurkunde des Päpstlichen Missionswerkes.
Auch während der Amtszeit von Pfr. Hermann Röder gab es umfangreiche Bauarbeiten. Der Altarraum mußte im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil umgebaut werden, eine neue Warmluftheizung wurde installiert und das Pfarrhaus erweitert. Die Altarweihe erfolgte am 21. Dezember 1969 durch Domkapitular Dr. Franz Scholz.

Amtszeit von Pfr. Paul Moritz (seit 1974)

Im Mai 1974 wurde Pfr. Hermann Röder nach Schlüchtern berufen.
Seit dieser Zeit heißt unser Pfarrer Paul Moritz. Er stammt aus der Diözese Passau, wurde 1988 zum Geistlichen Rat ernannt und ist Dekanatspräses der kfd.
Seit dieser Zeit schmückte alljährlich zur Weihnachtszeit eine original »Ellenrieder Krippe« den Altarraum. Sie wurde um 1930 von dem praktischen Arzt Otto Ellenrieder angefertigt und war ein „Mitbringsel“ aus Tiefenbach, dem Heimatort von Pfarrer Paul Moritz. Die originalgetreu eingekleideten, von Hand gefertigten Krippenfiguren mit den nach historischen Vorlagen aus dem Bayerischen Wald gestalteten Stall- und Wohngebäuden fanden nicht nur bei den jungen Kirchenbesuchern großen Anklang.
1981 wurde die Lourdes-Grotte am Kirchenvorplatz errichtet. Die Weihe erfolgte durch Pater Felix Mayer ofm.

1984 erhielt die Kirche eine Pfeifenorgel mit zwei Manualen, neun Registern und nahezu 1.000 Pfeifen. Die Finanzierung der Orgel erfolgte nicht zuletzt durch zahlreiche Spenden von Privatpersonen und Vereinen auf das extra eingerichtete Spendenkonto.
Von 1947 bis zum Jahr 1992 fanden in Wolfershausen in der evangelischen Kirche Gottesdienste statt, und zwar an Sonn- und Feiertagen sowie einmal werktäglich. Dort gab es während dieser Zeit eine eigene Sternsingergruppe, natürlich die Meßdiener und (bis zum Tode des Chorleiters Ernst Haas) einen eigenen Kirchenchor.
1990 wurde die Kirche in Gensungen innen und außen gründlich renoviert. Hierbei wurde auch die Empore nach vorne erweitert. Die Arbeiten erfolgten durch viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder. Da zu diesem Zeitpunkt die Grenze zu Ostdeutschland geöffnet wurde, kamen auch fleißige Helfer der Kolpingfamilie aus Dingelstädt/Thüringen.
Der Kirchenvorplatz wurde 1992 neu bepflanzt.
1997 war die Renovierung des Pfarrheimes an der Reihe. Die Außentreppe mit Geländer mußte erneuert werden, innen wurde eine neue Holzdecke und ein neuer Fußbodenbelag angebracht. Das Dach wurde wegen Asbestbelastung abgenommen und neu gedeckt. Ebenso wurden neue Toiletten geschaffen. Die Einweihung erfolgte zum Parrfest 1997 durch Ehrendomkapitular Msgr. Ludwig Vogel.
Gensungen gehört seit Anfang der 70er Jahre zum Dekanat Fritzlar, vorher zusammen mit Melsungen zum Dekanat Bad Hersfeld. Das Dekanat Fritzlar umfaßt den gesamten Schwalm-Eder-Kreis und ist flächenmäßig das größte Dekanat im Bistum Fulda. Zur Kirchengemeinde gehören z. Zt die Ortschaften Gensungen, Felsberg, Altenburg, Altenbrunslar, Beuern, Böddiger, Heßlar, Lohre, Melgershausen, Neuenbrunslar, Niedervorschütz, Rhünda und Wolfershausen. Wir haben ca. 1.300 Katholiken, verstärkt in den letzten Jahren durch die deutschen Aussiedler aus Polen und den GUS-Staaten. Unsere Kirchengemeinde ist international: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen, Kroaten, Brasilianer, Philippinos, Polen, Amerikaner, Österreicher, um nur einige zu nennen. Da sich in unserer Pfarrei Übergangswohnheime für Spätaussiedler aus Rußland und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion befanden, hat dieser Personenkreis hier eine erste Heimat gefunden. Sie fühlen sich hier geborgen und angenommen, finden Hilfe und kommen immer wieder gerne hierher.
Seit 1982 haben wir Verbindung zur Diözese Morogoro und einem Schwesternkonvent in Tansania. Der inzwischen verstorbene Bischof Adrian Mkoba war mehrmals bei uns zu Besuch und spendete 1986 das Sakrament der Firmung. Die Unterstützung erfolgt durch Kleiderpakete sowie durch Patenschaften zur Priester- und Katechetenausbildung.
Unsere letzte Hilfsaktion war die direkte Hilfe für eine Familie in Schmiedeberg/Sachsen, die bei der Flutkatastrophe im August 2002 im Osten Deutschlands das halbe Haus verloren hat. Durch Spenden konnte direkt geholfen werden.
2001 schenkte Pfr. Paul Moritz die „Ellenrieder Weihnachtskrippe“ dem Heimatmuseum der Gemeinde Tiefenbach, dem ursprünglichen Heimatort der Krippe, deren jahrelangen Bemühungen zum Wiedererwerb damit stattgegeben war. Seitdem gibt es in der Gensunger Kirche zur Weihnachtszeit neue, geschnitzte und bemalte Krippenfiguren, die in bewährter Manier aufgebaut werden und die Blicke auf sich ziehen.
Seit der 1968 ins Leben gerufenen Pfarrgemeinderäte gibt es einen Pfarrgemeinderat auch in unserer Pfarrei. 

Text: Anni Gerhold

 

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